Die Liebe, die Liebe. Manchmal frage ich mich, was ist das eigentlich? Wie definiert man Liebe? Ist es nun das Verliebtsein am Anfang, in der man keine Sekunde ohne den Partner sein möchte und Ihn am liebsten jeden Tag und jede Stunde verwöhnen möchte? Oder ist es das Gefühl, sich freiwillig in eine Art Abhängigkeit zu begeben und sich dabei wohl zu fühlen? Oder ist es das Gefühl, den Partner ganz genau zu kennen. Genau zu wissen, wie er reagiert und sich in seinen Reaktionen geborgen zu fühlen?
Ich glaube, die Liste könnte man noch ewig fortführen und jeder würde es anders interpretieren. Ich bin der Meinung, die Menschen können noch so viel darüber nachdenken und herumphilosophieren, dennoch wird man sich diese Frage immer wieder stellen und keine zufriedenstellenden Antworten erhalten.

Auch ich habe keine perfekte Antwort auf diese Frage. Gerade ich, der ständig nach perfekten Antworten sucht und sie meist auch findet. Aber hier scheitert mein Verstand.
Nebenbei sei noch bemerkt: Ich schreibe das Wort Partner absichtlich in der männlichen Form. Es braucht sich dennoch niemand Gedanken zu machen. Ich bin immer noch heterosexuell.

Für mich ist Liebe ein Zustand, der sich entwickeln muß. Als Basis dient hier das Verliebtsein am Anfang einer Beziehung. Jeder von uns kennt dieses Gefühl. Alles ist neu. Alles will entdeckt werden. Man ist begeistert von seiner neuen Errungenschaft und läßt keine negativen Gedanken oder Emotionen an sich heran. Und das nur, weil man sich verliebt hat. Jetzt muß man sich die Frage stellen, in was hat man sich verliebt? Meist sind es nur Äußerlichkeiten. Ich spreche hier nicht nur von attraktivem Aussehen, sondern auch vom äußeren emotionalen und charakterlichen Erscheinungsbild. Wie sind die Reaktionen auf bestimmte Aktionen? Wie geht er mit anderen Menschen um? Wie reagiert er auf einen selbst? Was hat er für ein Ansehen bei anderen? Was macht er in seiner Freizeit? Alles nur ganz oberflächliche Dinge. Allerdings sehr wichtig, da diese als Basis einer Liebe dienen.

Wenn man sich in diesem Zustand eine Weile getummelt und wohlgefühlt hat, kommt die zweite Ebene. Der Zeitpunkt des Erreichens dieser Ebene hängt davon ab, wie lange man sich vor dem ersten Date schon gekannt hat und auch vom jeweiligen Menschen selbst. Jetzt lernt man Dinge an seinem Partner kennen, die er der Welt da draußen nicht oder nur teilweise zugänglich macht. Aber dennoch bleibt das eine oder andere für den Partner verborgen. Das geschieht natürlich bei den meisten Personen unbewußt. Und hier liegt der Wendepunkt.
Kann man sich auch mit diesen Neuentdeckungen anfreunden oder freut sich sogar noch darüber, dann entwickelt sich aus dem Verliebtsein das Zusammengehörigkeitsgefühl und die eigentliche Liebe. Sie ist nicht mehr so zerbrechlich wie das Verliebtsein, aber durchaus verletzbar. Der Partner ist im eigenen Leben wichtig geworden und man kann sich das Leben gar nicht mehr ohne ihn vorstellen.
Erschrickt man sich über Eigenschaften die jetzt zu Tage treten und kann nicht damit umgehen, dann folgt meist die Trennung der beiden Partner.

Dann gibt es noch eine dritte und letzte Phase. Hier hat sich bereits ein solches Vertrauen aufgebaut, daß hier die gegenseitigen Geheimnisse fast gegen Null tendieren. Ein paar kleine Geheimnisse wird jeder am Ende seines Lebens mit in sein Grab nehmen. Das ist fast ein Naturgesetz. Man wird letztendlich niemals alles bis ins letzte Detail von seinem Partner wissen. Und das ist auch gut so. Erhält es doch die letzte interessante Spannung aufrecht, die eine Liebe dennoch so benötigt.

Andere Leute können zustimmen oder eine komplett andere Meinung haben. Allerdings liegt alles im Auge des Betrachters. Es sind einfach nur meine Gedanken zu einem wundervollen Thema. Wir können gern diskutieren. Schreibt mir einfach! Vielleicht gelange ich durch Eure Gedanken zu neuen Erkenntnissen?

Im Sommer 2006 lernte ich Aileen kennen. Diese Tatsache stimmt allerdings nicht ganz, da ich sie schon seit 1999 kenne. Schuld sind Ihre Eltern. Sie vergaben meinen freien Platz als Sozius auf einer Motorradtour. Wir verstanden uns auf Anhieb. Irgendetwas war zwischen uns beiden. Ich konnte es allerdings nicht deuten. Es war keine Liebe oder Verliebtsein. Immer, wenn ich bei Ihr war, fühlte ich mich wohl. Wir verstanden uns auf die eine oder andere Art. Auch wenn manche Dinge nicht immer meine Zustimmung fanden. Dennoch war ich bereit, mit Ihr im Jahre 2000 auf die Love Parade nach Berlin zu fahren. Heute sage ich, es war eine Erfahrung wert. Einfach Wahnsinn! So viele feiernde Menschen auf einem Haufen zu erleben. Wir starteten sogar im selben Jahr einen Beziehungsversuch. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es blieb bei einem Versuch. Ganze 2 Wochen lang.

In den darauf folgenden Jahren sahen wir uns hin und wieder. Oft auf Bikertouren, welche immer ein willkommener Anlaß waren. Aber es passierte nicht mehr. Wir waren wohl einfach zu unterschiedlich im Denken. Wohl auch durch den Altersunterschied von 9 Jahren. Der Kontakt wurde mit den Jahren aber immer seltener, so daß wir von 2004 bis 2006 nichts mehr voneinander hörten.

Dann, im Juli 2006 rief sie mich an. Meine bis dahin bestehende Beziehung war gerade beendet. Wir verabredeten uns und Sie besuchte mich darauf hin. Wir hatten uns viel zu erzählen. Es dämmerte schon, und wir saßen immer noch bei mir im Garten. Ich hatte mittlerweile schon das Feuer in der berühmten Tonne angezündet. An so einem Feuerchen kann man schon mal mit einem Glas Wein die Zeit vergessen. Es war also noch später geworden und die Flasche Wein war geleert. Ich überredete Aileen, schon allein wegen des Alkoholspiegels, nicht mehr nach Hause zu fahren sondern zu bleiben. Ganz ohne Hintergedanken. Ich gebe allerdings zu, daß mir der Gedanke diese junge Frau in meiner unmittelbaren Nähe zu haben, sehr gefiel. Spät in der Nacht begaben wir uns dann zur Ruhe. Kein Kuß, kein Sex. Es passierte nichts, obwohl ich nicht abgeneigt war. Aber es war wohl noch nicht der richtige Zeitpunkt. Morgens machte Sie sich dann wieder auf den Heimweg.

Eine Woche später, am 23.07.2007, verabredeten wir uns dann, um in den Schweriner Zoo zu gehen. Ich war schon ewig nicht mehr dort gewesen.
Es war ein toller Nachmittag. Wir verstanden uns prima. Diese alte Bekanntschaft begann sich in eine völlig unerwartete Richtung zu entwickeln. Ich war aufgeregt und ich genoß Ihre Anwesenheit. Könnte da eventuell mehr draus werden? Nun kannte ich die Schwierigkeiten aus dem Jahre 2000, welche auftreten könnten. Bisher ging alles gut. Aber was dachte Sie über die Zukunft? Wie sah Ihre Lebensplanung aus? Konnte ich mit dieser jungen Frau wirklich Pläne schmieden und mir Ihr mein Leben verbringen? Auf alle diese Fragen mußte ich eine Antwort finden.

Nach ein paar Runden im Park genehmigten wir uns Kaffe, Kuchen und natürlich - Eis. Wir unterhielten uns weiter. Über Gott und die Welt. Wir ließen fast kein Thema aus. Es schien, als interessiere Sie sich auch für mich. Allerdings nahm ich es zu dieser Zeit noch nicht wahr. An dieser Stelle sah ich meine Chance, Antworten auf meine Fragen zu finden.
Ich ging taktisch vor. Ob es angebracht war oder nicht, das sei mal dahingestellt. Es sollte nicht wie ein Verhör wirken, dennoch mußte ich erreichen, daß ich genaue Antworten auf meine Fragen erhielt. Und ich bekam sie. Keine Frage wurde ausgelassen. Ich brachte alles aus ihr heraus. Und es gefiel mir. Mir wurde bewußt, daß sich dieses junge Mädchen in den vergangenen sechs Jahren zu einer intelligenten jungen Frau entwickelt hat die genau wußte was sie wollte. Sie hatte Pläne, sie hatte Ziele. Das imponierte mir. Deckten sie sich doch größtenteils mit meinen Ansichten. Innerlich machte ich Freudensprünge.
Nach dem Eis ging die Runde weiter durch den Park. Mittlerweile waren wir fast die einzigen im gesamten Tierpark. Dieser hatte schon geschlossen und wir wahren wohl die letzten Gäste. Wir ließen uns davon aber nicht abhalten, bei den Pinguinen noch einmal Halt zu machen. Wir beobachteten diese Tiere noch eine ganze Weile. Nahmen jedes einzelne Tier unter die Lupe. An dieser Stelle war ich mir dann meiner Sache sicher. Ich mußte diese Frau für mich gewinnen. Aber wie stelle ich das an? Am einfachsten wäre es gewesen, Ihr einfach alles zu erzählen. Für mich sicher kein Problem. Aber ich brauchte Gewissheit, mußte sicher sein, daß ich Erfolg habe. Aber wie stelle ich das an? Ich brauchte das gewisse etwas.
Seit dieser zeit sind Pinguine "unsere" Tiere. Symbole, die für unsere Liebe und unsere Beziehung stehen. Viele Liebende haben "ihr" Lied. Wir haben unsere Pinguine.

Nach dem Tierpark aßen wir noch eine Kleinigkeit in Schwerin. Es dämmerte schon und ich mußte den nächsten Tag arbeiten, wollte diese Stimmung aber nicht zerstören und beenden. Also entschlossen wir uns anschliessend noch in den Schloßpark zu gehen. Mittlerweile war es dunkel geworden. Das Schloß bot die geeignete Atmosphäre. Hier konnte ich mein Vorhaben zum Erfolg führen. Glaubte ich zumindest. Wir gingen gemeinsam durch den Schloßgarten. Jetzt wurde mir bewußt, daß es doch nicht so einfach war, Ihr meine Gefühle zu offenbaren. Wir redeten miteinander, aber ich war nicht mehr bei der Sache. Meine Gedanken kreisten nur noch darum: Wie kann ich es Ihr sagen?
Dann standen wir auf der Treppe. Das Schloß im Hintergrund. Vor uns das schwarze Wasser des Schweriner Sees. Über uns der Sternenhimmel. Jetzt oder nie. Ich stellte mich bewußt eine Stufe niedriger. Das sollte Ihr das Gefühl des Überlegenen geben. Sie sollte das Gefühl haben, die Situation zu kontrollieren. Also sagte ich Ihr, was ich über uns dachte. Beschrieb ihr meine Gedanken. Sie schien nicht davon überzeugt gewesen zu sein. Ich merkte aber, daß es mehr der Verstand war, der sie zurückhielt. Also redete ich weiter auf sie ein und gelangte schliesslich zum Erfolg. Wir küssten uns und es war ein unbeschreibliches Gefühl. Der krönende Abschluß eines sehr schönen Tages. Ich weiß nicht mehr, wie lange wir dort noch standen...

Es war schon weit nach 0:00 Uhr. Ich brachte sie nach Hause. Ich dachte nicht im entferntesten daran, sie mit zu mir zu nehmen. Jedoch vergaß ich es nicht, sie nach dem nächsten Wiedersehen zu fragen. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag. An diesem brauchte ich sie nicht nach Hause zu bringen. Sie blieb bis zum morgen...

Diese Erlebnisse sind jetzt 1 Jahr, 3 Monate und 12 Tage her. Und wir sind immer noch glücklich. Ich habe das Gefühl, Aileen kann mich wirklich verstehen. Sie akzeptiert mich so wie ich bin und versucht mich nicht zu ändern. Jedenfalls merke ich nichts davon. Sie gesteht mir genügend Freiraum zu, den ich zum Leben brauche. Ich hoffe, dieses wird sich nicht ändern. Sie ist mir interlektuell ebenbürtig und somit finde ich für meine, manchmal etwas eigenartigen Themen, immer eine Gesprächspartnerin. Für mich alles, neben vielen anderen Dingen, ein Garant für eine lange Zukunft. Leenchen - Ich liebe Dich!

Ich hoffe, daß ich mit Aileen auch die dritte Phase erreiche. Zumindest befinde ich mich schon in der zweiten. Ich werde wohl bis zum Erreichen dieses Zieles noch viele Kompromisse machen müssen.


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